Die Fachkräfte-Lüge

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Immer wieder wird eine Sau durchs Dorf gejagt. Vorgestern war es das Waldsterben, gestern, Polarschmelze und steigende Meeresspiegel. Nun also Fachkräftemangel. Viele Leser in den Tagesmedien wundern sich über die Zahlen, die da für die Zukunft prognostiziert werden.
Schon Mark Twain sagte, Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.

 

Keine Zeitung verzichtet auf eine „Analyse“ des Fachkräftemangelmarktes, man will ja mit den Herausforderungen der Zeit gehen. Aber der Mut zur Wahrheit bleibt da weitgehend auf der Strecke. Wir wissen es einfach schlichtweg nicht. Punkt !

Stattdessen wird spekuliert, geschätzt und hochgerechnet mit dem Hinweis auf „neueste Erkenntnisse“. So meldete das Prognose-Institut „Prognos AG“, es würden „3,3 Millionen Fachkräfte bis zum Jahr 2040 fehlen“ (dpa/Stephanie Pilick). Wer könnte da widersprechen, aber auch: Wer könnte das bestätigen? Die Zahl klingt bedrohlich und erweckt den Anschein, als habe da jemand ganz genau gerechnet. Tatsächlich ist diese Aussage lediglich eine Annahme. Das Hauptproblem des Arbeitsmarkts der Zukunft liegt aber darin, dass es so unklar wie selten zuvor ist, in welchen Branchen und Tätigkeiten künftig mehr Beschäftigte gebraucht werden und in welchen weniger. Das lässt sich seriös einfach nicht berechnen. So bleibt (vorerst) auch unklar, wie viele Jobs durch Roboter und künstliche Intelligenz überflüssig werden, wie viele Beschäftigte sich durch Weiterbildung für neue Aufgaben qualifizieren und wie viele Menschen in die Schweiz einwandern werden. Dass die Wirtschaft und Politik solche Prognosen heranziehen, um noch mehr Zuwanderung zu fordern, hat handfeste Gründe. Je mehr Arbeitskräfte auf dem Markt zur Verfügung stehen, desto geringer müssen die Löhne steigen.

 

Und klar ist auch: Ein Mangel an Fachkräften könnte dazu führen, dass die (noch sprudelnden) Aufträge nicht mehr zügig abgearbeitet werden können – eine wirtschaftliche Katastrophe für jedes Unternehmen.

 

Schlagwort - Digitalisierung

Nun, obige Schlagzeile abgehakt, ich bin nicht schlauer geworden. Einiges allerdings an den Diskussionen darf der gesunde Menschenverstand (GMV) bestätigen: Wegen des schnellen Takts der Digitalisierung müssten Betriebe wesentlich mehr Zeit und Geld in die Weiterbildung bzw. Umschulung ihres Personals stecken und viel stärker als bisher die Aufgabe der Vorbereitung auf die Zukunft selbst in die Hand nehmen.
Nun, mit „Digitalisierung“ kann man drohen (viele tun das), oder man kann sie als Chance begreifen. Das kann dem einzelnen ziemlich weh tun. Hier eine Liste mit gefährdeten Berufen:
• Postdienst: Immer mehr Menschen verschicken Urlaubsgrüsse per WhatsApp anstatt auf Postkarten / Briefe werden weitgehend durch Email ersetzt
• Zeitungsreporter: Geringere Werbeeinnahmen und schwindende Auflagen dürften Verlagen und somit auch Zeitungsreportern, die sich ausschliesslich auf Print-Produkte konzentrieren Probleme bereiten.
• Reisebüro-Mitarbeiter: Internetplattformen wie Airbnb, Kayak oder Opodo ermöglichen es Nutzern ihre eigene Reiseplanung aufzustellen und werden somit zu ihrem eigenen Reiseberater. • Buchhalter und Steuerprüfer: Werden künftig von Computerprogrammen durchgeführt werden.
• Lackierer und Lagerwirtschaft
• Büro- und Sekretariatskräfte
• Bankkaufleute
• Zählerableser

Für sicher vor der Automatisierung halten die Forscher dagegen vor allem jene Jobs, die besonders menschliche Fähigkeiten verlangen – zum Beispiel Menschenkenntnis, Verhandlungsgeschick oder Überzeugungskraft.

Gesundheit- und Krankenpflege / Altenbetreuung

Kinderbetreuung und Erziehung
Führungskräfte
Handelsberufe (Einkauf / Verkauf)
Sozialarbeit und Sozialpädagogik

Was heisst das für Sie: Die Arbeitsmentalität in der Schweiz wird sich ändern müssen. Vorbei die Zeiten, in denen man mit Stolz auf viele Jahrzehnte in ein und demselben Beruf verwies. Lange Jahre der Berufsvorbereitung und -praxis werden schnell veraltet sein. In Zukunft wird bedeutend mehr Flexibilität verlangt – von Arbeitnehmern, aber auch von Unternehmen.

Ihr Michael Bommel

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